Umsetzungsmaßnahmen (2024-2026)
Die Klimawandel-Anpassungsmodellregion (kurz: KLAR!) Außerfern befindet sich nach Ablauf der Konzeptphase in der Umsetzungsphase. Von Sommer 2024 bis Sommer 2026 sollen die im Folgenden gelisteten Maßnahmen aus dem Anpassungskonzept umgesetzt werden. Die Maßnahmen wurden mit beteiligten Akteuren und der KLAR! Servicestelle abgestimmt. Der Fokus liegt dabei besonders auf den Schwerpunktthemen Bewusstseinsbildung, klimafitter Schutzwald und Starkniederschlagsereignissen.
Übersicht
1 Klimafitter Bergwald – Schutzwaldsanierung
AP 1: Vorbereitung und Durchführung einer Baumpflanzaktion
Zur Vorbereitung der Baumpflanzaktion wird zunächst unter Berücksichtigung der lokalen Gegebenheiten zusammen mit der Bezirksforstinspektion eine geeignete Beispielfläche ausgewählt. Anschließend werden verschiedene Baumarten bestimmt, die sowohl an die klimatischen Bedingungen als auch an die ökologischen Anforderungen des Gebiets angepasst sind. Ziel ist es, einen Mischwald aufzuforsten, der die ökologische Vielfalt fördert und die Resilienz des Waldes gegenüber Umweltveränderungen erhöht.
Die beschriebene Baumpflanzaktion wird in Zusammenarbeit mit Schulen im Bezirk Reutte durchgeführt. Im Rahmen der Pflanzung werden den Kindern die vielfältigen Funktionen eines klimafitten Waldes erklärt.
AP 2: Grenzüberschreitender forstlicher Austausch und Informationen für Kleinwaldbesitzer
Zur Verbesserung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zum Thema Bergwald wird ein Treffen der Bezirksforstinspektion mit den entsprechenden Ansprechpartnern des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Weilheim angestrebt.
Zusätzlich sollen Kleinwaldbesitzer über die Herausforderungen des Klimawandels informiert werden. In Zusammenarbeit mit der Bezirksforstinspektion und den Waldaufseher*innen wird ein Workshop für Kleinwaldbesitzer arrangiert, um den Kleinwaldbesitzern konkrete Handlungsempfehlungen und Ressourcen zur Verfügung zu stellen, um ihre Wälder klimafitter zu gestalten.
AP 3: Schutzwaldmärchen für Schulen
In Zusammenarbeit mit den lokalen Waldaufsehern soll für die Schulen im Bezirk ein Schutzwaldmärchen angeboten werden. Das letzte Schutzwaldmärchen wurde 2019 durchgeführt. Durch das Schutzwaldmärchen sollen die Schüler*innen darauf aufmerksam gemacht werden, wie wichtig der Schutzwald im Außerfern ist.
AP 4: Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung
Der Bevölkerung soll durch Presseartikel und Social Media Posts die Wichtigkeit des Schutzwalds für den Bezirk Reutte aufgezeigt werden.
2 Waldverjüngung: Freizeit- und Verbissdruck
AP 1: Darstellung des Verbissdrucks auf die Waldverjüngung
Um den Einfluss des Verbissdrucks auf die Waldverjüngung zu verdeutlichen, werden zwei Flächen verglichen: Ein eingezäunter Bereich und ein Standort mit natürlicher Verjüngung. Dabei soll der Zusammenhang zwischen der Wildpopulation und der Regeneration des Waldes aufgezeigt werden. Durch die Demonstration des Verbissdrucks soll das Bewusstsein für die Bedeutung eines ausgewogenen Wildbestands erhöht werden. Abschließend werden basierend auf dem Vergleich der beiden Flächen Handlungsempfehlungen erarbeitet.
AP 2: Dialogrunde zum Thema Jagd und Forst im Klimawandel
Eine Dialogrunde zur Jagd im Kontext des Klimawandels soll verschiedene Akteure wie Jagdverbände, Vertreter der Forstwirtschaft, Landwirte und Tourismusverbände zusammenbringen. Ziel ist es, die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald und den Wildbestand zu diskutieren. Diese multidisziplinäre, Diskussion soll dazu beitragen, Anpassungsstrategien zu entwickeln, die sowohl die ökologischen als auch sozioökonomischen Aspekte berücksichtigen. Die Diskussion soll durch eine*n externe*n Expert*in moderiert werden.
AP 3: Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung
Um das Bewusstsein für eine angepasste Wildbestandsregulierung zu stärken, werden gezielte Maßnahmen zur Sensibilisierung durchgeführt. Dies beinhaltet die Aufklärung über die Bedeutung von Wildruhezonen, auch in Tallagen, sowie die Förderung von Maßnahmen zum Schutz der natürlichen Lebensräume.
3 Starkniederschlag: Entsiegelung und Schwammstadt-Prinzip
AP 1: Entsiegelung einer Beispielfläche
Im Rahmen eines Projekts soll eine Beispielfläche nach dem Schwammstadt-Prinzip entsiegelt werden. Der Fokus liegt darauf, den Oberflächenabfluss durch Starkniederschläge zu reduzieren, sowie die Lebensqualität der entsiegelten Fläche zu erhöhen. Die KLAR! unterstützt die Akteure bei der Auswahl der Flächen und bei der Umsetzung.
AP 2: Begleitung einer Dachbegrünung
Während der räumlichen Erweiterung des Büros des Tourismusverbands Reutte soll eine Dachbegrünung umgesetzt werden. Diese wird von der KLAR! begleitet und soll als Best-Practice Beispiel im Bezirk dienen.
AP 3: Vortrag Schwammstadt Prinzip und Dachbegrünung
Die Erkenntnisse aus den beiden Projekten werden allen KLAR!-Gemeinden und relevanten Akteuren präsentiert. Mit den Gemeinden wird ergebnisoffen besprochen, welche zusätzlichen lokalen Maßnahmen getroffen werden könnten.
Basierend darauf soll ein Workshop für Gemeindemitarbeiter zum Thema Starkniederschlag, Entsiegelung und Versickerung durchgeführt werden.
AP 4: Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung
Zusätzlich werden Gemeinden und Privathaushalte durch bewusstseinsbildende Maßnahmen auf das zunehmende Risiko von Starkniederschlägen aufmerksam gemacht.
4 Den Klimawandel an Schulen erlebbar machen
AP 1: Den Klimawandel durch Experimente und Versuche verstehen
Um klimatische Prozesse bestmöglich zu verstehen, sollen über die KLAR! Klimakoffer für physikalische Versuche besorgt werden. Angestrebt wird es, diese temporär interessierten Schulen im Bezirk zur Verfügung zu stellen.
AP 2: Erhalt der Artenvielfalt
Die Schüler*innen der KLAR! Gemeinden sollen durch verschiedene Maßnahmen proaktiv am Erhalt der Artenvielfalt beteiligt werden. In Zusammenarbeit mit der KLAR! sollen z. B. der Bau von Wildbienenhotels, das Anlegen von Laichgebieten für Fische oder neuer Hecken und Blühflächen vorangetrieben werden. Ein weiterer Fokus soll auf dem Thema Kompost und Bodenbildung liegen.
Zusätzlich wird die Umsetzung eines Schulgartens anvisiert, der andere Schulen zur Nacheiferung motivieren soll.
AP 3: Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung
In zahlreichen Schulen im Bezirk gilt es die bereits vorhandene gute Grundlage zu nutzen, auszubauen und die Zusammenarbeit mit den Schulen der breiten Öffentlichkeit durch Presseartikel zu präsentieren. Zusätzlich wird versucht innerhalb der Schulen auf das Thema Klimawandel und Klimawandelanpassung aufmerksam zu machen. Im Mittelpunkt sollen dabei die Themen Starkniederschläge und Schutzwald stehen.
5 Geschiebemanagement
AP 1: Erhebung des Ist-Zustands für jede Gemeinde
Um den Ist-Zustand des Geschiebetransports der Wildbäche in jeder Gemeinde im Bezirk Reutte zu verstehen, ist eine Erhebung der derzeitigen Situation für jede Gemeinde notwendig. Dabei wird die Organisation, Vermeidung, Verwertung und Entsorgung von Geschiebe betrachtet. Durch die Analyse sollen die spezifischen Herausforderungen und Potenziale jeder Gemeinde besser verstanden werden.
AP 2: Erstellung eines Geschiebemanagementplans für den Bezirk Reutte
Aufbauend auf der Analyse des Ist-Zustands und dem ÖWAV-Regelblatt 305: „Verwendung und Verwertung von Sedimenten aus Wildbacheinzugsgebieten“ soll ein Geschiebemanagementplan erstellt werden. Das Ziel ist es, Geschiebe soweit möglich wieder in das Fließgewässer einzubringen und Zwischenablagerungsflächen für Geschiebe zu schaffen. Zusätzlich wird eine Art „Kochbuchanleitung“ zum Umgang mit Geschiebe für die Gemeinden angestrebt.
AP 3: Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung
Um sicherzustellen, dass die Bevölkerung den Geschiebeprozess vom Erosionsereignis über die Ablagerung bis zur Wiederverwendung oder Entsorgung besser versteht, werden Informationskampagnen gestartet, Schulungen angeboten und die Schulen im Bezirk miteinbezogen.
6 Klimawandel im alpinen Raum – Erlebnisbezogene Bewusstseinsbildung
AP 1: Herausforderungen für kleinstrukturierte Almen
Besonders auf kleinstrukturierte Almen steigt der Druck durch den Klimawandel deutlich an: Die Zunahme von Starkniederschlagsereignissen und gravitativen Massenbewegungen führt vermehrt zu Sedimenteintrag ins Trinkwasser und blockierte Zufahrtswege. Außerdem kommt es durch längere Trockenperioden besonders in karstigen Gebieten vermehrt zu Trink- und Nutzwasserproblemen.
Ziel ist es, den Wert der kleinstrukturierten Almwirtschaft aufzuzeigen. Häufig ist diese geprägt von Wiesen mit hoher Artenvielfalt und gutem Erosionsschutz. In Kooperation mit beteiligten Akteuren werden Workshops, Exkursionen und Veranstaltungen angestrebt, um die Wertschätzung der Bevölkerung gegenüber der Almwirtschaft zu verbessern und um auf Maßnahmen zur Klimawandelanpassung aufmerksam zu machen.
AP 2: Der E5-Weitwanderweg in Zeiten des Klimawandels
Im Gebiet der Lechtaler Alpen zwischen Bach im Lechtal und Zams im Landecker Talkessel sowie entlang des E5 Weitwanderwegs sollen geeignete Szenerien identifiziert werden. Dabei geht es um traditionelle Almwirtschaft, eventuell Forst und Jagd, sowie um Orte, die den Klimawandel verdeutlichen, wie Erosionsereignisse, Schutzwald und Gletscherschmelze. Relevante Akteure und Anrainer, wie Verantwortliche für Almwirtschaft, Hüttenwirte und Bergführer, werden kontaktiert. Foto- und Videoaufnahmen sowie Interviews zur Dokumentation des Wissens der Akteure werden geplant und durchgeführt. Die Materialien werden aufbereitet und über geeignete Kanäle verbreitet sowie in Ausstellungen präsentiert.
7 Neophytenmanagement
AP 1: Workshops zum Thema Neophyten
Zusammen mit dem Naturpark Tiroler Lech wird der Status Quo der Neophytenverbreitung im Bezirk erhoben. Im Anschluss daran wird zweimal ein eintägiger Workshop durchgeführt, der die Grundlagen der Neophyten-Bekämpfung, Prävention und Entsorgung vermittelt. Der Workshop wird in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Tiroler Lech durchgeführt und richtet sich an besonders betroffene Personengruppen wie Gemeindemitarbeiter, Jagd, Forst oder Obst- und Gartenbauverein.
AP 2: Umsetzung von Bekämpfungsmaßnahmen
Organisation von drei Neophytenaktionstagen zur Entfernung invasiver Pflanzenarten. Dabei werden Freiwillige, Schulen und Vereine miteingebunden. Die Entsorgung der Neophyten wird in Zusammenarbeit mit dem Abfallwirtschaftsverband organisiert.
AP 3: Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung
Ziel ist es besonders die Personengruppen zu sensibilisieren, deren Tätigkeiten maßgeblich zur Verbreitung gebietsfremder Arten beitragen. Die Akteure, besonders innerhalb der Gemeinden, Forst und Jagd, erkennen Neophyten und wissen, wie diese entfernt und entsorgt werden. Häufig vorkommende Arten werden zudem laufend in der Presse und auf Social Media bespielt.
8 Waldbrandprävention
AP 1: Erfahrungsaustausch regionaler Feuerwehren
Bei einem Treffen von regionalen Feuerwehren sollen Erfahrungen ausgetauscht werden, um die Einsatzfähigkeit und Effizienz der Feuerwehren bei der Waldbrandbekämpfung zu verbessern. Der Fokus liegt dabei auf der grenzüberschreitenden Feuerbekämpfung. Ein großes Verbesserungspotenzial wird vonseiten der Feuerwehren vor allem im Bereich der Wasserversorgung gesehen.
AP 2: Informationskampagne für Waldbesitzer, Gemeinden, Tourismus
Eine umfassende Informationskampagne wird geplant, um Waldbesitzer, Gemeinden und den Tourismussektor über die Gefahren von Waldbränden aufzuklären. Diese sollen mit präventiven Maßnahmen und Verhaltensregeln in waldbrandgefährdeten Gebieten vertraut gemacht werden, um das Waldbrandrisiko zu reduzieren.
AP 3: Tag der Einsatzorganisationen
Ein Tag der Einsatzorganisationen/ Feuerwehren soll zur Sensibilisierung der Bevölkerung genutzt werden. Interessierte haben im Rahmen der Veranstaltung die Möglichkeit, Geräte zur Feuerbekämpfung wie Löschrucksäcke o. ä. zu testen. Zusätzlich dazu sollen Verhaltenstipps für Hausbesitzer im Falle eines Hochwassers gezeigt werden.
AP 4: Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung
Gezielte Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierungsmaßnahmen werden durchgeführt, um die Bevölkerung die Bedeutung der Waldbrandprävention zu übermitteln. Des Weiteren soll die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren gefördert werden, um effektive Maßnahmen zum Schutz der Wälder zu etablieren.
9 Regenwassernutzung
AP 1: Informationsveranstaltung zum Thema Regenwassernutzung
Mit Unterstützung von Expert*innen wird eine Informationskampagne über die Vorteile und die Möglichkeiten zur Regenwassernutzung für private Haushalte und Gärten durchgeführt. Der Fokus liegt dabei sowohl auf der Regenwassernutzung als auch auf der Regenwasserretention. Die Kampagne wird zusätzlich über die Webseite und die Gemeindezeitungen verbreitet.
AP 2: Sammelbestellung Zisternen für Private/ Gemeinden
Im Rahmen eines Workshops wird in einem Beispiel-Garten oder -Haus eine Regentonne installiert. Im Anschluss haben Interessierte die Möglichkeit Regentonnen zentral über eine von der KLAR! koordinierte Sammelbestellung zu einem Aktionspreis zu erwerben.
AP 3: Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung
Die Bevölkerung wird durch Presseartikel und Social Media Posts auf das Thema Regenwasser als Ressource aufmerksam gemacht.
10 Hitzevorsorge und Lebensqualität
AP 1: Identifikation von Hitzeinseln
Ziel ist es, Hitzeinseln im Bezirk zu identifizieren. Der Fokus liegt dabei auf Plätzen mit potenzieller Aufenthaltsqualität und auf den Flächen, die durch vulnerable Personengruppen wie Senior*innen und Schüler*innen genutzt werden. Im Anschluss sollen Möglichkeiten zur Reduktion der Hitzeinseln erarbeitet werden.
AP 2: Schaffung von Schattenplätzen
Basierend auf analysierten Hitzeinseln sollen Schattenplätze geschaffen werden, um die Lebensqualität zu erhöhen. Besonders im Fokus stehen hierbei Kindergärten, Schulen und Pflegeeinrichtungen.
AP 3: Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung
Ein Großteil der Bevölkerung innerhalb der KLAR! erachtet Hitze nicht als akutes Problem. Durch den Klimawandel wird jedoch eine signifikante Temperaturzunahme und dadurch auch ein Anstieg der Sommer- und Hitzetage erwartet. Aufgrund dessen soll die Bevölkerung frühzeitig für die Thematik sensibilisiert werden.


